Ein thematischer Ansatz: Wie man die Gewinner von heute und morgen ausfindig macht

Vor nicht einmal zwei Jahren hat David Older zusammen mit Rose Ouahba das Ruder bei Carmignac Patrimoine übernommen und doch hat er dem Flaggschiff-Fonds bereits seinen Stempel aufgedrückt. Older, der seine Karriere bei dem französischen Vermögensverwalter im Jahr 2015 begann, trat mit seinem ganz eigenen Managementstil an das Aktienportfolio von Patrimoine heran.

Ausgehend von seinem Hintergrund in Technologie und IT hat Older den fundamentalen Bottom-up-Ansatz von Patrimoine, der die wichtigste Basis zur Wertschöpfung des Fonds darstellt, durch einen Fokus auf langfristige Trends gestärkt.

„Unsere Wertschöpfung erfolgt in erster Linie durch Bottom-up-Investitionen und die Fusion der Aktienauswahl mit Top-down- Entscheidungen”, so der Head of Equities.

Older weist darauf hin, dass der verstärkte Fokus auf die Aktienauswahl auch die unternehmensinternen Researchkapazitäten bei Carmignac gefördert hat: „Wenn wir uns Aktien ansehen, gehen wir zuerst davon aus, dass alles in eine bestimmte, der Öffentlichkeit zugängliche Aktie eingepreist wird. Durch unser unternehmenseigenes Researchtool bewerten wir den Aktienkurs eines Unternehmens in verschiedenen Szenarien und unabhängig vom jeweiligen Marktkonsens.”

Der Head of Equities ist überzeugt davon, dass eine signifikante Alpha-Generierung und die Identifizierung von überlegenen Geschäftsmodellen exzellente Forschungskapazitäten erfordert, um beispielsweise eine gründliche Wertschöpfungskettenanalyse durchzuführen. „Sie können die Aktien, die Sie kaufen, nur dann vollständig verstehen, wenn Sie sich auf zuverlässige Daten stützen können, die einen umfassenden Überblick über die Lieferanten, Wettbewerber und Kunden eines Unternehmens bieten”, sagt Older.

In Kombination damit verfolgt der Fondsmanager einen Top-down-Ansatz mit dem Ziel, langfristige säkulare Trends zu identifizieren, welche die heutigen Unternehmen vorantreiben und die Gewinner von morgen prägen werden. Diese Trends werden zu Themen weiterentwickelt, so dass David seinem Stockpicking-Talent freien Lauf lassen kann.

„Langfristiges Wachstum eignet sich besonders gut für einen Bottom-up-Ansatz und bildete in diesem Jahr das Rückgrat der Aktienkomponente von Patrimoine.”
David Older, Head of Equities, Fondsmanager

Die Trends von morgen nutzen

Older erklärt, dass Patrimoines Aktien-Kernportfolio auf drei großen Themen aufgebaut ist: der vernetzte Verbraucher, die Digitalisierung sowie der gesellschaftliche und demografische Wandel.

„Der Aufstieg des digitalen Konsumenten, mit seinen weitreichenden Folgen auf Bereiche wie E-Commerce, Online-Lebensmitteleinkäufe und Videospiele, ist eine mehrere Billionen Dollar schwere Branche”, sagt Older. “Selbstverständlich wollen auch wir ein Stück vom Kuchen abhaben. Hinzu kommt die Digitalisierung, ein ebenso enormer Markt mit zahlreichen Gelegenheiten. Cloud-Software und Fintech machen insbesondere im Zuge von Covid-19 zunehmend Fortschritte.”

Aus seiner Sicht werden Fintech-Unternehmen traditionelle Banken auf langfristige Sicht übertrumpfen, und zwar auch in den Industrieländern: „Dies ist auf makroökonomische Gründe zurückzuführen, aber auch darauf, dass traditionelle Banken nicht von der zunehmenden Verwendung elektronischer Zahlungen profitieren können. Die Pandemie hat diese Entwicklung nur beschleunigt. Jetzt ist es an der Zeit für hochspezialisierte Akteure”, sagt er.

Bezüglich des dritten Themas weist Older darauf hin, dass es im Grunde aus zwei Teilen besteht: „Sie können den gesellschaftlichen und demografischen Wandel in zwei Bereiche unterteilen: Konsumverhalten und Wohlbefinden des Verbrauchers.”

Ersteres basiert auf Luxusmarken und FAANG-Unternehmen, da sich Older auf das obere und untere Ende des Anlagespektrums konzentriert. “Am schlimmsten ist es in der Mitte zu sein, mit all den überbewerteten Aktien. Wir investieren in Unternehmen, die entweder eine starke Marke haben oder sehr niedrige Preise anbieten können. Zum Beispiel wollen Sie keine der klassischen Fluggesellschaften besitzen, die sich nicht klar positioniert haben. Wenn Sie heute bei Fluggesellschaften dabei sind, müssen sie am billigen Ende sein”, sagt er.

Das Wohlbefinden des Verbrauchers konzentriert sich hauptsächlich auf das Gesundheitswesen und ist mit einem breiten Engagement in Pharma-, Biotech-, Medizintechnik- und Managed Care-Unternehmen verbunden. Während Older aufgrund ihrer Tendenz zu einem „schwächeren erwarteten Wachstum” einen opportunistischen Ansatz bei großen Pharma-Aktien verfolgt, erkennt er doch an, dass die Einnahmenströme in diesem Sektor vom Konjunkturzyklus entkoppelt sind und somit eine defensive Wahl darstellen. „Zudem sind große Pharmaunternehmen oft Dividendenzahler”, fügt er hinzu.

Ähnliches gilt auch für das Managed Care-Segment des Aktienportfolios. „Managed Care ist ein wachsender Markt, der von der Demografie angetrieben wird. Er ist Asset-light, mit einem positiven Cashflow und bietet defensives Wachstum, da er rein auf die Erhöhung der Ausgaben im US-Gesundheitswesen setzt”, sagt Older.

Biotech und Medtech hingegen bedürfen seiner Meinung nach einer langfristigen Betrachtung: „Diese Branchen sind tendenziell eher volatil und in Bezug auf die Bewertung angespannter, insbesondere in den USA. Diversifizierung ist hier von entscheidender Bedeutung.”

Im Juni dieses Jahres umfassten Patrimoines größte Sektorengagements Nicht-Basiskonsumgüter, Informationstechnologie und Gesundheitswesen, wobei mehr als die Hälfte des Aktienportfolios in nordamerikanische Aktien investiert war, gefolgt von europäischen und asiatischen Aktien.